Was bringt die KWK-Novelle?

Seit 1. Januar 2016 gilt die Neufassung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWK-G): Mit ihm wird erstmals ein konkretes Mengenziel für den KWK-Ausbau festgelegt und das Fördervolumen auf 1,5 Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt. Wer profitiert, wem drohen Einbußen – wir haben Branchenexperten aus Energiewirtschaft, Politik, Heizgeräteindustrie und Wohnungswirtschaft befragt.

KWK Novelle


Portrait GedaschkoAxel Gedaschko
Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW)

Erhalt von Mieterstrommodellen und günstigeren Strom für Mieter.

Die KWK-Novelle von 2015 ermöglicht infolge wesentlicher Veränderungen des Gesetzentwurfs durch das Parlament auch weiterhin Mieterstrommodelle. Damit ist eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen, dass Mieter von günstigerem Strom profitieren können. Für einen Erfolg von Mieterstrommodellen fehlen aber noch weitere entscheidende Voraussetzungen. Als Hemmnisse bestehen insbesondere steuerliche Nachteile für die Wohnungswirtschaft. Diese müssen beseitigt werden, damit Mieter endlich an den Vorteilen der Energiewende teilhaben können.

Mieterstrommodelle
Energiedienstleister, die ihre Kunden beispielsweise in einem Industriepark, einem Gewerbegebiet oder einem Nahwärmenetz in der Wohnungswirtschaft mit KWK-Strom beliefern, erhalten eine gezielte Förderung. Damit sind auch weiterhin sogenannte Quartierslösungen möglich.


Portrait AzumaDr. Norbert Azuma-Dicke
Leiter Public Affairs beim Zukunft ERDGAS e. V.

Höhere Förderung für Erdgas-KWK, aber auch Nachteile für bereits geförderte Anlagen.

Das Gesetz sendet ein klares Signal pro Erdgas, da von der höheren Förderung vor allem gasbasierte KWK-Anlagen in der allgemeinen Versorgung und Kleinanlagen wie die Brennstoffzelle profitieren. Unverständlich bleibt hingegen, dass die Förderung für selbst genutzten Strom trotz vorheriger Versprechen zur Kompensation der anteiligen EEG-Umlage unter den Einspeisevergütungen des KWK-Gesetzes 2012 liegt. Dadurch wird der Anreiz für potenzielle Investoren deutlich gemindert und so die Marktentwicklung der
Mikro- und Mini-KWK eher ausgebremst als gefördert. Hier hätten wir uns mehr gesetzgeberische Weitsicht gewünscht.

Förderung nach KWK-G 2012
Mit der Novellierung des KWK-Gesetzes 2012 wurde für Anlagen von 50 bis 250 Kilowatt eine neue Vergütungskategorie eingeführt. Ein gutes Signal ist, dass der KWK-Zuschlag
bei Anlagen unter 50 Kilowatt für eigens produzierten Strom auf 8 Cent angehoben wurde, wohingegen der Zuschlag für eigenverbrauchten Strom (4 Cent) durchaus ausbaufähig
wäre.


Portrait GäblerDipl.-Ing. Frank Gäbler
Key Account Manager KWK Vaillant Deutschland GmbH & Co. KG

Neue Impulse für BHKW in der Wohnungswirtschaft.
 

Die KWK-Novelle bringt wieder Planungssicherheit und damit neue Impulse für den Einsatz der BHKW-Anlagen. Mit dieser Novelle ist die Grundlage für eine weitere Erhöhung der Nettostromerzeugung aus KWK-Anlagen und die damit verbundene Energieeinsparung und CO2-Minderung gelegt. Vaillant sieht durch die verbesserte Vergütung von BHKW bei
der Stromeinspeisung vor allem neue Einsatzfelder für die Wohnungswirtschaft.

Impulse für BHKW-Anlagen
Die verbesserte Förderung (8 Ct/kWh für 60.000 Volllaststunden) vor allem für kleinere Anlagenkonzepte in der Quartiers- und Objektversorgung bis 50 Kilowatt könnte
den KWK-Ausbau voranbringen. Lediglich für Brennstoffzellen-Heizgeräte kann die Reduktion auf die Volllaststunden nachteilig sein, da sie aufgrund ihrer guten Stromkennzahl
fast ganzjährig im Einsatz sind.


Portrait PostFlorian Post
Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie, Berichterstatter für KWK für die SPD-Bundestagsfraktion

Bestandsförderung für gasbetriebene Anlagen.

Die Kraft-Wärme-Kopplung ist eine hocheffiziente klimafreundliche Technologie, die eine tragende Säule in unserem Energiewendemarkt ist. Gerade die gasbetriebenen Anlagen können wegen des
Strompreisverfalls der letzten Jahre teilweise nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Um Stilllegungen zu verhindern, haben wir eine Bestandsförderung ins Gesetz mitaufgenommen. Insgesamt
haben wir ein Gesetz verabschiedet, das den Erhalt des Bestands sichert, zum Klimaschutz beiträgt und der energiewirtschaftlich sinnvollen KWK-Technologie eine echte Perspektive im Energiemarkt sichert.

Bestandsförderung
Das Gesetz sieht eine auf vier Jahre befristete Bestandsförderung für Erdgas-KWK-Anlagen in der öffentlichen Versorgung in Höhe von 1,5 Cent je Kilowattstunde vor. Dies gilt auch für Anlagen, die bereits aus der KWK-Förderung herausgefallen sind.


Portrait SchifferingsChristof Schifferings
Vorstand Technik der Stadtwerke Duisburg AG

Mehr Wirtschaftlichkeit für das GuD-Kraftwerk im Vergleich zu Steinkohleanlagen.

Die Novelle des KWK-G setzt erste wichtige Impulse. Durch die Bestandsanlagenförderung können wir unser GuD-Kraftwerk im Vergleich zu unserer Steinkohleanlage wieder wirtschaftlicher zur umwelt- und ressourcenschonenden gekoppelten Strom- und Wärmerzeugung einsetzen. Dies leistet einen Beitrag zur Verringerung von CO2-Emissionen und zur Erreichung der Klimaziele. Für langfristig positive Effekte muss die Politik aber schon jetzt Entscheidungen für eine Fortführung der KWK-Förderung treffen.

Mehr Wirtschaftlichkeit für GuD-Kraftwerke
Die Stadtwerke Duisburg betreiben neben dem Steinkohlekraftwerk in Hochfeld ein Gaskraftwerk in Duisburg-Wanheim (274 MW, GuD). Das ältere Kohlekraftwerk soll voraussichtlich bis Ende 2017 vom Netz gehen, das flexiblere GuD soll für die Fernwärmeerzeugung erhalten bleiben.


Portrait Müller-UrlaubDipl.-Kfm. Berthold Müller-Urlaub
Präsident des Bundesverbandes für Kraft-Wärme-Kopplung e. V. (B.KWK)

Mehr Bewegung in den KWK-Ausbau.
 

Durch das neue Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz  konnte eine Stagnation im KWK-Ausbau vorerst abgewendet werden. Jedoch schafft das KWK-G 2016 nur eine verlangsamte Weiterentwicklung der Stromerzeugung in KWK-Anlagen. Hocheffiziente KWK-Anlagen sind für das Gelingen der Energiewende essentiell. Das Gütesiegel „Der blaue Strom“ soll diese umweltschonende Energieerzeugung künftig noch sichtbarer machen.

Der blaue Strom
Der B.KWK zertifiziert seit einem Jahr Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen mit dem Label „Blauer Strom“ und sichert Verbrauchern damit zu, dass ihr Strom auch tatsächlich aus hocheffizienten KWK-Anlagen kommt. Erster Anbieter sind die Stadtwerke Lemgo, die das Gütesiegel im Januar dieses Jahres erhielten.