Schweriner Powertrader segeln hart am Wind

ENERGIEUNION GmbH

Die Händler der VNG-Tochter Energieunion wissen immer, wie sie mit einer steifen Brise am Energiemarkt umgehen müssen und ihre Kunden im hart umkämpften Geschäft mit effizienten Preisen und niedrigen Kosten zur Seite stehen.

Auf den ersten Blick wirkt es eher entspannt, was im Handelsraum der ENERGIEUNION in Schwerin in den späten Vormittagsstunden los ist. An den Arbeitsplätzen schauen die Händler fast regungslos auf jeweils fünf Monitore, es fällt kaum ein Wort. Hier und da klickt leise eine Tastatur, ab und an meldet sich ein Broker per Telefon. Dabei werden hier in diesen Minuten Gigawattstunden von Strom und Gas gehandelt, binnen weniger Minuten Geschäfte für Hunderttausende von Euro geschlossen. Dr. Steffen Rothe, Geschäftsführer des vor zwanzig Jahren gegründeten Handelshauses, bittet Besucher bei einem Blick in den Handelsraum um etwas Geduld: Zwischen neun und dreizehn Uhr liegt die Haupthandelszeit, da sollten die Kollegen möglichst jede Minute hochkonzentriert an den Bildschirmen sitzen, um jede Reaktion des Marktes zu registrieren und entsprechend reagieren zu können. „Das ist wie beim Segeln, es sieht alles nach Routine aus, aber der Wind kann sich binnen Sekunden drehen“, sagt er, der selbst ein begeisterter Segler ist. Und in solch einer Situation muss man blitzschnell sich ändernden Bedingungen analysieren, um trotzdem den Kurs zu halten. Notfalls, indem man auch mal wagemutig gegen den Wind kreuzt. Das Segel kann dann schnell auf die andere Seite umschlagen.

PREISSCHWANKUNGEN BRINGEN FRISCHE BRISE

Uwe Friedriszik, Head of Power Trading, nimmt sich – nach dem Höhepunkt der stürmischen Phase – ein wenig Zeit, um einige der Geheimnisse an seinem Arbeitsplatz zu verraten: „Wenn irgendwo ein Ölfeld ausfällt, wenn es schlechte Konjunkturmeldungen gibt oder einfach mal die Sonne nicht so scheint, wie das die Wetterfrösche angekündigt haben, dann schlägt der Strompreis mehr oder weniger wilde Zacken auf seiner grafischen Anzeige“. Währenddessen hat er im Blick, welche Preise auf den wichtigsten Handelsplattformen Europas wie TFS, GFI oder Spectron für die Megawattstunde Strom erzielt werden, sowohl für die physische Lieferung am nächsten Tag, wie auch auf längere Sicht, also im Wochen-, Monats-, oder Jahresbereich. Dazu kommen Kraftwerks- und Wetterdaten und die neuesten Bloomberg-Nachrichten. Was für Erzeuger, Lieferanten und Kunden eigentlich eine schlechte Nachricht wäre, weil sie mit Preisschwankungen ihre Kosten nicht planbar kalkulieren können, ist für Friedriszik und seine Kollegen die frische Brise, die die Segel bläht. „Unvorhersehbare Ereignisse sind unsere Chance zum Trading, dann versuchen wir günstig zu kaufen und später unsere Position mit Gewinn zu schließen“, erklärt der Händler. Aber auch Preissicherungsgeschäfte für Drittkunden, also die Absicherung von solchen turbulenten Zeiten in der tosenden See, gehören zum Alltag der ENERGIEUNION.

MARKTRISIKO WIRD MINIMIERT

Und doch ist es wie immer im Leben: Dort, wo es Chancen auf Gewinn gibt, lauern auch Risiken. Das gilt für alle Energiehändler gleichermaßen, die an den Handelsplattformen agieren und auf sich ändernde Marktbedingungen setzen. „Wir müssen alle schnell analysieren und entscheiden können – und dabei frustresistent sein. Es gehört zu unserem Alltag, dass man auch mal Geld verliert“, sagt Dr. Rothe. Allerdings baut die ENERGIEUNION für solche Fälle vor: So sind die Risiken für jeden Mitarbeiter durch Limits begrenzt, festgeschriebene Arbeitsanweisungen ergänzen die Handelsprozesse. Und natürlich helfen auch die jahrelangen Erfahrungen der Händler dabei, die Treffsicherheit bei Entscheidungen ganz wesentlich zu erhöhen. „Wir handeln von Beginn an mit beachtlichen Summen und haben es trotzdem in unserer Firmengeschichte immer geschafft, mit dem Geschäft Geld zu verdienen. Das zeigt, dass wir etwas vom Trading verstehen“, versichert Friedriszik. Sein Chef Steffen Rothe ergänzt: „Volatilität ist unser Geschäft, wenn der Markt sich nicht bewegt, herrscht Flaute.“ Oder in der Seglersprache: Der Wind muss hart anliegen und die Wellen ordentlich rollen, damit man gut vorwärtskommt.

VOLLE SEGEL MIT VNG IM RÜCKEN

Das große Knowhow der Schweriner Powertrader ist zwar durchaus wichtig. Im Handelsgeschäft braucht es aber mehr als das. Um die Geschäfte mit anderen Händlern überhaupt anbahnen zu können, sind zum einen verschiedene Lizenzen und eine große Anzahl an Verträgen mit Handelsunternehmen erforderlich. Zum anderen müssen die Risiken durch entsprechende Eigenkapitalgarantien abgedeckt werden. Diese Garantie übernimmt die VNG – Verbundnetz Gas AG als Muttergesellschaft für die ENERGIEUNION. Sie ist seit 2001 am Schweriner Energiehändler beteiligt und hält seit 2013 sogar alle Anteile. „Mit der VNG im Rücken segeln wir als kleine, flinke Yacht auf offenem Meer. Das gibt uns ausreichend Sicherheit“, erklärt Dr. Rothe. Und kreuzen würde man sich eher selten, betont Rothe, „denn während sich VNG im Erdgashandel europäisch orientiert, konzentrieren wir uns mit unseren 130 Kunden und Handelspartnern durchweg auf den deutschen Markt. Und besonders bedienen wir auch den Strommarkt.“

SEGLER UND LOTSEN ZUGLEICH

Obwohl die ENERGIEUNION im Handel groß geworden ist, entfällt mittlerweile die Hälfte des Umsatzes nicht auf dieses Segment, sondern auf handelsnahe Dienstleistungen. „Wir werden in der Branche nicht nur als gute Segler, sondern auch als Lotsen betrachtet, die die Untiefen des Marktes gut kennen und so manche Bauernregeln beherrschen“, scherzt Dr. Oliver Krusche, Leiter Portfoliomanagement. Mittlerweile betreut jeder seiner Portfoliomanager einen festen Kundenstamm, zu dem vor allem Stadtwerke der kleinen und mittleren Größenordnung sowie Industriekunden und Kraftwerksbetreiber gehören. Besonders an den Nachmittagen kommen von dort Anfragen, ob man zum besten Preis noch Gas oder Strom über das Handelshaus beschaffen oder für das Portfolio der externen Kunden Geschäfte mit Derivaten erledigen könne. Die ENERGIEUNION bietet praktisch die gesamte Dienstleistungsbreite an: Vom kompletten Portfoliomanagement über Bilanzkreisläufe, das Energiedaten- und Risikomanagement. Die Markteinschätzungen der Schweriner scheinen offenbar für die Kunden das Geld wert zu sein: Die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wächst. Inzwischen stehen 38 Mandanten-Portfolien im Auftragsregister, acht werden in einer Energy-Service-Cloud betreut. Dieses Cloud-System ist eine Gemeinschaftsentwicklung von ENERGIEUNION und einem Daten- und Rechenzentrum in Lübeck, in welchem der gesamte Energiebeschaffungs-, Liefer- und Abrechnungsprozess durchgeführt werden kann. „Ein mächtiges Werkzeug, welches durch seine hohe Prozesseffizienz unsere Kunden im Kampf um kleinste Vertriebsmargen wettbewerbsfähig hält“ so Dr. Kruschke.

PLATTFORMGESCHÄFT ZIEHT AN

Eine ähnlich positive Bilanz zieht Kruschke auch für die internetbasierten Handelsplattformen, die seit über zehn Jahren ein wesentlicher Bestandteil im Dienstleistungsangebot der ENERGIEUNION sind. „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung der dort konzentrierten Liquidität. 2015 haben wir über 6.000 Einzelverträge mit einem Gesamtvolumen von rund 5,8 Mrd. Kilowattstunden über unsere internetbasierten Handelsplattformen abgewickelt.“ Über die Handelsplattformen bietet die ENERGIEUNION ihren Handelspartnern die Möglichkeit, im Strom- und Gasbereich mit Standardprodukten ab 1 MW am Energiegroßhandel teilzunehmen. Die Kunden bieten ihrem Portfolioumfang entsprechend eigenständig oder handeln innerhalb von Spreads und können dadurch die eigene Beschaffung strukturieren sowie eigene Tagesbilanzen ausgleichen. Für die Leipziger Energiebörse EEX sind Orders dieser Art in der Regel zu klein, für die Schweriner lohnen sie hingegen. „Wir haben in den letzten Jahren unser Wachstum vor allem in diesem Segment erzielen können und wollen hier auch weiter wachsen“, erklärt Kruschke. Und das Potenzial ist durchaus gegeben, wie auch Geschäftsführer Rothe bestätigt: „Nach dem Stromhandel verlagert sich auch der Gashandel immer stärker in den kurzfristigen Bereich. Unsere Plattformen erlauben es Handelspartnern, Marktpreise in nahezu Echtzeit zu beobachten, eigene Gebote zu erstellen und an Preisbewegungen zu partizipieren. Damit sind sie ein wichtiger Erfolgsfaktor in einem dynamischen Markt.“

Um weiter wachsen zu können, muss sich auch die ENERGIEUNION ständig den Marktveränderungen anpassen. Zusätzliche Räume hat sie bereits angemietet und auch die Mannschaft an Bord plant sie, zu erweitern. „Wir freuen uns auf die Neuen in unserer Crew, die hoffentlich wie wir auch richtig seefeste Leute sind“, freut sich Rothe. Denn er weiß, dass die Bootsfahrt viel Spaß macht, die See aber nicht immer spiegelglatt ist.


Nachgefragt - Energiedatenmanager auf der Erfolgsspur 


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