Norwegens Öl- und Gasgeschäft – sicher, sauber und erfolgreich

Norwegen ist nach Russland und Katar weltweit der drittgrößte Erdgas-Exporteur. Zwei Drittel der Erdgasressourcen des Landes können noch gefördert werden. Für Europa ist Norwegen nach Russland und den Niederlanden der drittwichtigste Lieferant. 13 Fakten zum Öl- und Gasgeschäft unseres langjährigen Energiepartners aus dem Norden.

DER ERSTE FUND

Das Öl- und Gaszeitalter in Norwegen begann in den 1960er Jahren mit ersten Erkundungsbohrungen in der norwegischen See. 1969 fand man das Ekofisk-Feld, eines der damals größten Funde weltweit. Mit der Förderung im Jahr 1971 begann Norwegens Karriere als Öl- und Gasproduzent. Danach stieg das Interesse ausländischer Firmen am norwegischen Schelf rapide an. Ekofisk produziert übrigens noch heute. Das Gas gelangt über ein Terminal in Emden nach Deutschland. Mit geschätzten Reserven von 3,8 Milliarden Barrel ist es das zweitgrößte Ölfeld der Nordsee.

ÖL- UND GASBOOM

In den 1970er und 1980er Jahren wurde viele große Felder in Norwegen entdeckt und erschlossen, unter ihnen Gulfalks, Oseberg und Troll. Sie spielen auch heute noch eine wichtige Rolle für die norwegische Öl- und Gasindustrie. Am Anfang lag der Fokus auf den vielversprechendsten Gebieten südlich des 62. Breitengrades. Ab 1979 wurden auch Gebiete nördlich davon freigegeben. Die Exploration in Teilen der Norwegischen See und der Barentsee begannen in den frühen 1980ern. Allein zwischen 1971 und 1996 wurden rund 1.500 Milliarden NOK investiert.

GUTE CHANCEN

1:4 – So groß ist durchschnittlich die Chance, auf dem norwegischen Kontinentalschelf bei einer Bohrung wirtschaftlich fündig zu werden. Dabei spielt vor allem die Qualität der vorbereitenden Arbeiten, insbesondere von seismischen Daten, eine entscheidende Rolle. Diese Daten werden mithilfe modernster Software in komplexe zwei- oder dreidimensionale Bilder des Untergrunds umgewandelt. „Anhand der Daten werden Profile des Untergrunds erstellt, einzelnen Schichten voneinander abgegrenzt und mögliche Lagerstätten modelliert“, erklärt Anton Irmen, Leiter E&P Portfoliomanagement bei VNG.

TIEF UNTER DER WASSER OBERFLÄCHE

Die erste Bohrung Ekofisk lag in 70 Metern Tiefe. Mit zunehmender Erfahrung ging es dann in tiefere Gefilde: Der zweite große Fund Statfjord wurde bereits in einer Wassertiefe von 145 Metern erschlossen. Heute sind in den Gewässern Norwegens Wassertiefen von bis zu 500 Metern keine Seltenheit. VNG Norge führte bisher als Betriebsführer erfolgreich Bohrungen in einer Wassertiefe von bis zu 300 Metern durch. Es geht aber auch noch viel tiefer, zum Beispiel im Schwarzen Meer (ca. 2.000 bis 2.200 Meter) oder vor der indischen Küste (3.160 Meter).

STAATLICHE KONTROLLE

Schon 1963 erklärte das norwegische Parlament, dass alleine der Staat die vollständige Souveränität für die Öl- und Gasressourcen besitze. 1972 wurde das Norwegische Petroleum-Direktorat (NPD) als Regulierungs- und Koordinierungsinstanz und Statoil als staatliche Gesellschaft gegründet. Per Gesetz wurde sogar erlassen, dass Statoil jeweils zu 50 Prozent an den Konsortien beteiligt sein muss. Später wurde das Gesetz geändert und der Anteil verringert, bis die Regelung schließlich ganz aufgegeben wurde. 1978 kommt als Oberaufsicht ein eigenes Öl- und Energieministerium hinzu. Seit 2004 ist die Petroleum Safety Agency für alle sicherheitsrelevanten Fragen zuständig.

STAATLICHE HILFE

Norwegen hat im Rahmen seiner langfristig angelegten Strategie zur Ressourcen-entwicklung festgelegt, dass der Staat einen erheblichen Teil der Kosten für die Rohstoffsuche trägt. Insbesondere die Steuerrückzahlungen sind ein wichtiger Anreiz, der auch kleineren Firmen das Explorations- und Produktionsgeschäft möglich macht. Im Grunde wurde das System geschaffen, weil Ende der 1990er Jahre die Produktion auf dem norwegischen Schelf zurückging und nur noch von großen, internationalen Firmen betrieben wurde. Mittlerweile ist die Anzahl an mittleren und kleinen E&P-Firmen wieder gestiegen.

DER „E&P-SPARSTRUMPF“ DER NORWEGER

Der 1990 gegründete „Staatlicher Pensionsfonds Ausland“ ist wie eine Art Alters-vorsorge und heißt deshalb auch so. Mit ihm verfolgt Norwegen zwei Ziele. Zum einen will es für die Zeit vorsorgen, wenn Öl und Gas nicht mehr gefördert werden. Zum anderen will es verhindern, dass die Einnahmen direkt in den Staatshaushalt fließen. Nach der sogenannten Hand- lungsregel dürfen jährlich nur maximal vier Prozent des Kapitalstocks aus dem Fonds zur Finanzierung der Staatsausgaben entnommen werden. Der Fonds investiert u.a. in Aktien, Zinspapiere oder Immobilien. Anlagen in Tabak, Waffen und Kohle sind nicht (mehr) erlaubt. Zurzeit ist der Fonds rund 750 Milliarden Euro wert.

TRENGE VORSCHRIFTEN

Norwegische Behörden legen großen Wert darauf, dass bei der Erdöl- und Erdgasförderung die Umwelt und andere Ressourcen wie Meerestiere gewahrt und strenge Sicherheitsanforderungen eingehalten werden. Die Strenge geht auf zwei Unfälle zurück. 1977 kam es zu einem unkontrollierten Blow-out auf der Ekofisk-Plattform und 1980 kenterte eine als Wohnunterkunft eingesetzte Plattform. Dabei starben 123 Menschen. Heute erhalten nur Unternehmen eine Lizenz, die durch Fachkompetenz einen Mehrwert für die Förderregionen Norwegens bringen, alle gesetzlichen Vorschriften einhalten und als Betreiber sicher und umweltfreundlich arbeiten.

WICHTIGSTE WIRTSCHAFTSKRAFT

Norwegen fördert täglich 1,89 Millionen Barrel Ölequivalent Erdgas und gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt von knapp 55.000 Dollar pro Kopf zu den reichsten Ländern der Welt. Laut Öl-Ministerium lag der Exportwert 2015 bei rund 450 Milliarden NOK, was rund 40 Prozent aller norwegischen Exporte entspricht.

ERDGAS FÜR DEUTSCHLAND

Norwegen liefert seit fast vierzig Jahren Erdgas nach Deutschland und deckt heute rund 20 Prozent des deutschen Verbrauchs. 1977 ging die Nordpipe-Gasleitung nach Emden in Betrieb. Mit ihr war Deutschland unter den ersten Ländern, die norwegisches Gas erhielten. Zwei weitere Leitungen für Deutschland gingen 1995 bzw. 1999 in Betrieb und landen in Dornum an, 50 Kilometer östlich von Emden. Im Mai dieses Jahres wurde in Emden ein neues Übergabeterminal eröffnet, durch das täglich 34 Millionen Kubikmeter Erdgas durchgeleitet werden können.

SPARPROGRAMME GEGEN ÖLPREISENTWICKLUNG

Viele Explorations- und Produktionsfirmen in Norwegen haben aufgrund der aktuell niedrigen Ölpreisnotierungen ihre Investitionen gekürzt und sich strenge Sparprogramme auferlegt, obwohl der Preisverfall teilweise durch das norwegische Steuersystem und Wechselkurseffekte abgemildert wird. Explorationsaktivitäten werden zurückgefahren, weniger seismische Daten eingekauft und Investitionen in die Feldesentwicklung verringert. Vor allem in Stavanger sind die negativen Auswirkungen sehr präsent, weil viele Leute ihre Jobs verloren und die Stadt verlassen haben. Allerdings haben die niedrigen Preise schon zu deutlichen Kostensenkung für Anlagen und Dienstleister geführt. So ist es möglich, aktuelle Funde vergleichsweise günstig zu entwickeln.

„DEKARBONISIERUNGS“DEBATTE

Norwegen war auch auf der Klimakonferenz in Paris und hat die Ziele unterschrieben, seine Öl- und Gasförderung wird es deshalb aber nicht einstellen. Stattdessen geht der „Wikingerstaat“ andere Wege: Er engagiert sich u.a. für die Abscheidung und Speicherung von CO2 und praktiziert sie bereits in den Feldern „Sleipner“ in der Nordsee und „Snohvit“ in der Barentssee. Außerdem setzt Norwegen beim eigenen Energiemix auf erneuerbare Energien aus Wasserkraft und Windkraft. Fast 100 Prozent des Elektrizitatsbedarfs ist grün.

VNG IN NORWEGEN

VNG ist in Norwegen mit ihrer 2006 gegründeten Tochter VNG Norge aktiv. Die ersten Lizenzen wurden im Jahr 2007 gekauft, 2009 hatte sich das Unternehmen durch die Übernahme eines anderen Explorationsspezialisten weiter verstärkt. VNG Norge hält mittlerweile rund 40 Lizenzen, ist an vier produzierenden Feldern beteiligt und als Betriebsführer tätig. Insgesamt verfügt sie über ein ausgewogenes Portfolio – sowohl in der Explorations-, aber zunehmend auch in der Entwicklungs- und Produktionsphase. 2015 produzierte die VNG Norge 1,6 Millionen Barrel Öl-Äquivalent (BOE).


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